Evangelische Kirchengemeinde
Essen-Altstadt

„Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.“

Sacharja (2,14)

Liebe Gemeinde,
liebe Leserin,
lieber Leser!

Wie gerne singen wir dies Lied - gerade wieder jetzt in der Adventszeit: „Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir, ja, er kommt, der Friedefürst.“ Gerade jetzt, wo es morgens erst so spät hell und abends so früh dunkel wird, freuen wir uns über erleuchtete Fenster oder eine Kerze, die das Dunkle erhellt. Es tut uns gut, mit anderen Menschen zusammen zu sein; vielleicht in einem Gottesdienst gemeinsam zu beten und zu singen. Wir spüren die Gemeinschaft und die Hoffnung, die uns verbinden. Denn wir teilen den Glauben, dass nicht das Dunkle, sondern das Licht in unserem Leben siegt. Die fröhliche Melodie des Liedes, die unser Jauchzen nachahmt, gibt dabei unserer Freude und Zuversicht angemessen Ausdruck.

„Freue dich und sei fröhlich,du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.“ Das ist die Textgrundlage beim Propheten Sacharja (2,14), ausgewählt als Monatsspruch für Dezember.

Ursprünglich war dies dem jüdischen Volk zugesagt – wir dürfen uns dankenswerter Weise als jüngere Glaubensgeschwister mit angesprochen fühlen. „Freue dich und sei fröhlich!“ Gerne -, aber warum eigentlich? Die Begründung liefert uns der Prophet gleich mit: Gott kommt und will bei uns wohnen!

Das ist keine leere Phrase, sondern tatsächliche Erfahrung. Es ist die Erfahrung unzähliger Menschen, die uns in der Bibel überliefert wird und die wir auch heute machen und teilen können. Gott ist nicht nur ein unerreichbares Wesen, sondern konkret in unserem Leben spürbar. Menschen wurden und werden gerettet – aus der Sklaverei, aus einem brennenden Ofen, von Aussatz, von einem Schiff in stürmischer See, von der Sucht nach Alkohol. Über zig Jahrhunderte zieht sich diese Erfahrung durch. Gott lässt uns nicht im Stich. Ganz im Gegenteil – er möchte uns nahe sein, ja, er will bei uns wohnen.

Dieser Wunsch Gottes und diese Erfahrung von uns Menschen manifestieren sich in der Weihnachtsgeschichte. Da kommt Gott sichtbar und erlebbar in unsere Welt, er wird Mensch, kommt uns nah, nimmt bei uns Wohnung. Ein absoluter Liebesbeweis Gottes ist das. Ein untrügliches Zeichen, dass wir Gott nicht egal sind und dass unsere Dunkelheiten ihm nicht unbekannt sind.

Dieser Glaube trägt uns auch durch dunkle Phasen unseres Lebens, durch Traurigkeit und Einsamkeit, durch Enttäuschung und Ohnmacht. Denn immer wieder bekommen wir es zu hören, gesungen oder zugesagt: „Freue dich, dein König kommt zu dir!“ Immer wieder können wir es in biblischen Geschichten lesen und in unserem Leben entdecken, Freunde erzählen es uns und Christen unterhalten sich darüber: „Gott lässt uns nicht allein. Er kommt zu uns, er tröstet und heilt, er geht mit uns, wenn uns der Weg zu schwer wird.“

Wenn wir nun die Kerzen anzünden und die Advents- und Weihnachtslieder singen, dann zeigen wir unsere Freude und Zuversicht, ja unsere Gewissheit: Unser Gott kommt! Er kommt in unsere Welt und in unser Leben, um bei uns zu wohnen und uns beizustehen. Sein Licht strahlt in die dunkelste Ecke, seine Liebe erwärmt die kältesten Herzen, sein Friede umspannt die ganze Welt, und wenn noch nicht ganz, dann doch gewiss unaufhaltsam sich ausbreitend. Darum haben wir allen Grund zu singen: „Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir, ja, er kommt, der Friedefürst.“ (eg 13)

Eine gesegnete und frohe Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin
- Heike Remy -