Evangelische Kirchengemeinde
Essen-Altstadt

Andacht

„Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet!“ (Psalm 68,21)

Am Osterfest haben wir als Christen auf der ganzen Welt gefeiert, dass Gott durch die Auferweckung seines Sohnes Jesus Christus den Tod besiegt und damit uns alle vom Tod errettet hat.
Dabei ist mir eines in diesem Jahr, in dem wir seit dem 24. Februar mit einem Krieg in der Ukraine, in Europa auf erschreckende Weise konfrontiert wurden, ganz besonders wichtig geworden, was die Evangelien von Jesus erzählen. Sie berichten nicht, dass Jesus mit seinen Jüngern nach Jerusalem gezogen ist, um dort mit Hilfe der himmlischen Heerscharen die römischen Besatzer ins Meer zu treiben und dadurch das Volk zu befreien. Auch lesen wir nichts von einem dreitägigen Freudenfest an dessen Ende der Gottessohn auf einem goldenen Streit-wagen hinauf in die Himmel zu seinem Vater auffuhr.
Stattdessen lesen wir von Gefangennahme, Verhöhnung, von Folter und Schmerzen, ja, vom schändlichen Tod am Kreuz. Und das, obwohl die Evangelisten verkündigen, dass Jesus der Christus ist, also der von Gott gesandte Messias. Ebenfalls lesen wir vom Garten Gethsemane, in dem Jesus - zu Tode betrübt - sich seinem Auftrag stellt.

Musste das alles so sein? Hätte Gott nicht einen anderen Weg für seinen geliebten Sohn wählen können? Die Macht dazu hätte er sicherlich gehabt! Aber dann wäre nicht so deutlich geworden, wo und auf wessen Seite, Gott steht. Er hat seinen Sohn den bitteren Leidensweg hin zum Kreuzestod an Karfreitag gehen lassen, damit wir erfahren, dass Gott genau auch dann bei uns ist, wenn wir solche dunklen Erfahrungen machen. Wir alle erleben in unserem Leben, wie der Tod Macht über uns ausüben will. Wir erhalten schlimme Diagnosen, erleben Unfälle oder müssen uns von einem lieben Angehörigen für immer verabschieden. Die Bilder aus der Ukraine lassen uns nicht mehr los. Erschüttert sind wir von zerbombten Wohnhäusern, Schulen und Kindergärten. Die vielen Toten auf beiden Seiten lassen uns verstummen und das Erschrecken über die Not, in die viele Ukrainerinnen und Ukrainer geraten sind, ist groß. All dies dürfen wir vor Gott bringen und ihm klagen. Er steht allen, die leiden an der Seite, weil er in Jesus selbst durch Leiden und Tod gegangen ist.
Schon 1948 hat die Weltkirchenkonferenz festgehalten, dass Krieg eine Sünde wider Gott ist.
Seit Ostern glauben wir, dass Gott ein Gott des Lebens ist und den Tod besiegt hat. Deshalb soll Krieg nach dem Willen Gottes nicht sein. Ostern hat für mich in diesem Jahr noch mehr als sonst deutlich gemacht, wo Gott steht, nämlich auf der Seite des Lebens. Er schickt uns los, als Boten des Lebens, des Friedens und der Liebe, seine Botschaft von Ostern weiterzugeben.

Ich möchte schließen mit einem Friedensgebet:

Gott, lass uns zu Helfern deines Friedens werden:
dass wir Liebe wagen, wo man sich hasst;
dass wir verzeihen, wo man sich beleidigt;
dass wir schlichten, wo Streit ist;
dass wir die Wahrheit sagen, wo Irrtum herrscht;
dass wir Hoffnung wecken, wo Verzweiflung quält;
dass wir ein Licht anzünden, wo Finsternis regiert;
dass wir Freude bringen, wo Kummer wohnt.
Gott, lass uns das Geheimnis deines Friedens erfahren;
dass wir getröstet werden, wenn wir trösten;
dass wir verstanden werden, wenn wir verstehen;
dass wir geliebt werden, wenn wir lieben.
Denn wer hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, wird nicht verloren sein.
Amen.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Pfarrer Thomas Nawrocik